Griechisch-Baktrisches Königreich

Euthydemos I,

Das Griechisch-Baktrische Königreich war ein antiker Staat des 3. und 2. Jahrhundert v. Chr., der von einem griechischen Statthalter in Baktrien gegründet wurde und sich nach Indien ausdehnte. Nach einer Teilung und dem Verlust Baktriens bestand es in Gandhara bis zum 1. Jahrhundert v. Chr. als Indo-Griechisches Königreich weiter.

Die Chronologie und Bewertung des Königreiches ist unsicher und umstritten.

Staatsgründung

Das Reich wurde um 256 v. Chr. gegründet, als sich der baktrische Vasall des Seleukiden Antiochos II. (reg. 261–246 v. Chr.), ein gewisser Diodotos unter Ausnutzung militärischer Niederlagen seiner Oberherren unabhängig machte. Zunächst prägte er Münzen mit seinem eigenen Bild und den Zeichen/Titeln von Antiochos II., dann ersetzte er letztere durch seine eigenen. Nach ihm regierte sein gleichnamiger Sohn, bis diese Familie durch einen Griechen aus Magnesia, Euthydemos I. gestützt wurde.

Die Euthydemiden

Griechischer(?) Soldat, Wandbehang aus Grab in Sampul, Tarimbecken 3.–2. Jahrhundert v. Chr.

Konflikt mit den Seleukiden

Euthydemos I. rückte ins Schlaglicht als er sich einem Angriff des bekannten Seleukidenkönigs Antiochos III. stellen musste. Der kam 208 v. Chr. und schlug am Fluss Areios/Heri-rud die Kavallerie der Baktrer zurück. Der anschließende Kampf um die Hauptstadt Baktra (heute Balkh) dauerte zwei Jahre und drohte einen Einfall der gefährlichen Steppen-Saken in den Iran nach sich zu ziehen. So schloss man einen Vergleichsfrieden, Euthydemos I. durfte sein Königreich behalten, musste aber die Kriegselefanten abgeben und ein Bündnis schließen.

Expansion nach Indien

Das Bündnis sollte durch eine Heirat zwischen Euthydemos’ Sohn Demetrios und Antiochos’ Tochter besiegelt werden, aber dazu scheint es nicht gekommen zu sein. Nach Antiochos’ Niederlage bei Magnesia gegen die Römer bemächtigte sich Demetrios I. der Gebiete südlich des Hindukusch: 185 v. Chr. der Grenzgebiete des Seleukidenreiches, die dem heutigen Süd-Afghanistan und Beludschistan entsprechen, und 183 v. Chr. dreier Westprovinzen des Maurya-Reiches, welches zu dieser Zeit in geschichtlicher Dunkelheit verschwand. Konkret zog er ins Kabultal bzw. nach Gandhara und von dort weiter nach Taxila, einer Maurya-Residenz.

Das Königreich in Baktrien hatte eine dünne griechische Oberschicht, welche durch Neuankömmlinge aus dem Westen am Leben erhalten wurde. Nachdem die baktrischen Könige ihren Einflussbereich zur indischen Grenze ausgedehnt hatten, wurden die Münzen (seit Demetrios II.) sowohl mit griechisch- als auch indischsprachigen Titeln geprägt. Und die Qualität dieser Münzen war hoch - man hatte es nicht mit irgendeiner Lokalmacht zu tun. Analog dazu kam es zu einem Synkretismus von Hellenismus und Buddhismus, dem Graeco-Buddhismus.

Kentaur, Wandbehang aus Grab in Sampul, Tarimbecken 3.–2. Jahrhundert v. Chr.

Der Usurpator Eukratides I.

Nach bzw. schon unter Demetrios I. wurde das Reich wahrscheinlich geteilt. Der erste Teilherrscher, Demetrios II. (Sohn Demetrios' I., vorher Vizekönig in Kabul) verlor seinen Thron an einen überragenden Abenteurer namens Eukratides I., angeblich ein Verwandter der Seleukiden, der bereits Demetrios I. besiegt hatte. Eukratides bemächtigte sich mit wenigen hundert Mann des Landes, als sich Demetrios I. im Feldzug in Indien befand. Und zwar besetzten die Griechen damals mit Ujjayini in Malwa eine weitere Maurya-Residenz und belagerten unter General Menander schon die Maurya-Hauptstadt Pataliputra, als Demetrios umkehren musste. Er kam zu spät – seine Vizekönige (Brüder?) Agathokles (in Sistan) und Antimachos (in Herat) waren schon geschlagen – und wurde mitsamt seiner Familie getötet.

Anschließend tötete Eukratides I. auch noch Demetrios' Bruder(?) Apollodotos I. und eroberte Gandhara (165/4 v. Chr.). Er konnte aber offenbar die Nachkommen Euthydemos südlich des Hindukusch und vor allem den General Menander nicht völlig ausschalten. Für den Wohlstand seiner Herrschaft spricht seine Herausgabe von Goldmünzen. Eukratides I. fiel angeblich 159 v. Chr. gegen die Parther Mithradates. Nach anderer Darstellung wurde er bei der Rückkehr nach Baktra/Balkh von seinem Sohn und Mitregenten (Eukratides II.?) ermordet.

Invasion der Yüe-tschi

Eukratides’ Sohn König Heliokles (ca. 157–135 v. Chr.) war der letzte ernstzunehmende griechische König Baktriens, er soll auch Gandhara beherrscht haben. Der Einfall der Yüe-tschi brachte zwischen 141 und 129 v. Chr. die Gebiete nördlich des Hindukusch an ebendiese. Südlich des Hindukusch behaupteten sich diverse Machthaber, in Indien saß z.B. immer noch der General Demetrios’ II., Menandros, der sich um 155 v. Chr. zum König eines Indo-Griechischen Königreichs machte. Diese Könige hielten sich mehrere Jahrzehnte länger als die Herren Baktriens, hatten aber meist nur regionale Bedeutung. Einsickernde Reiternomaden (Saken, Yüe-tschi) beseitigten gegen Ende des ersten vorchristlichen Jahrhunderts auch diese Herrschaften.

Literatur

  • Franz Altheim: Der Hellenismus in Mittelasien, Darmstadt 1969.
  • Baktrien, in: Kleines Lexikon des Hellenismus, hrsg. von Hatto H. Schmitt und Ernst Vogt, 2. Aufl., Wiesbaden 1993, S. 93–96. (Knappe Darstellung mit umfassenden Literaturangaben.)
  • Frank L. Holt: Thundering Zeus: The Making of Hellenistic Bactria, London 1999.
  • A. K. Narain: The Greeks in Bactria and India, in: The Cambridge Ancient History, Bd. 8, hrsg. von A. E. Astin u.a., Cambridge 1989, S. 388ff.
  • William W. Tarn: The Greeks in Bactria and India, 2. Aufl., Cambridge 1951.

Graeco-Buddhismus

Weblinks

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