Justin I.

Tremissis des Justin I.. Bild von http://www.cngcoins.com

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Justin I. (* 450 bei Naissus; † 1. August 527) war 518 bis 527 oströmischer Kaiser und der erste Kaiser der Justinianischen Dynastie (518-578 bzw. 602).

Biografie


Tremissis des Justin I.Justin wurde um 450 in der Umgebung von Naissus als Sohn bäuerlicher Eltern geboren und absolvierte in Konstantinopel zunächst eine Militärkarriere, die insbesondere durch seine Teilnahme am Isaurischen Krieg gekennzeichnet war. Justin stammte aus dem Illyricum und damit aus einem Teil des oströmischen Reiches, in dem Latein gesprochen wurde. Sein angeblich schlechtes Griechisch bot später Anlass zum Spott, es hieß, er habe zum Schreiben seines Namens eine Schablone gebraucht (so der spätantike Historiker Prokopios). Später stieg er zum Kommandeur der kaiserlichen Garde (Excubitori) auf. Nach dem Tode des Kaisers Anastasios I. wurde Justin (wohl am 10. Juli) 518 bereits in recht hohem Alter zum Kaiser ausgerufen. Dabei scheint er sich geschickt und skrupellos gegen andere Kandidaten durchgesetzt zu haben. Bereits zu Beginn seiner Regierungszeit fungierte vielleicht sein hochgebildeter Neffe und späterer Nachfolger Justinian als Berater Justins.

In seinen Beziehungen zur Kirche setzte Justin auf Diplomatie. In einer Korrespondenz mit Papst Hormisdas gelang es ihm, das Akakianische Schisma zu überwinden. Damit wurde deutlich, dass das wiedererstarkte Oströmische Reich nun wieder verstärktes Interesse an den Vorgängen im Westen hatte. Um diese Zeit lässt sich auch erstmals (bei Marcellinus Comes) die Ansicht nachweisen, 476 habe das weströmische Kaisertum aufgehört zu existieren, weshalb die Herrschaftsrechte im Westen nun wieder beim oströmischen Kaiser lägen. In der Folgezeit nahm die Kirche dann unter Papst Johannes I. eine Vermittlerrolle zwischen dem Kaiser und dem Ostgotenkönig Theoderich ein, die jedoch scheiterte, als Theoderich den greisen Papst unter der Anschuldigung, sich mit Ostrom verbündet zu haben, gefangennehmen ließ.

Die Regierungszeit Justins war außenpolitisch nicht zuletzt vom Kampf gegen die Sassaniden an der Ostgrenze geprägt (siehe auch Kavadh I.). Hatte es bereits vorher latente Spannungen gegeben (unter anderem aufgrund des Scheiterns von Verhandlungen, die die Adoption des späteren Perserkönigs Chosrau I. durch Justin zum Ziel gehabt hatten), entluden sich diese seit 525/26 in Kämpfen im Kaukasus, vor allem in der Region um Lazika. Der Krieg verlief wechselhaft und brachte keine Entscheidung; er dauerte auch nach dem Tod Justins noch an. Dafür gelang die Ausweitung des christlichen Einflusses im heutigen Jemen. Auch die Beziehungen zum Ostgotenreich Theoderichs des Großen verschlechterten sich, zumal am ostgotischen Königshof die erstarkende prokaiserliche (oströmische) Partei bekämpft wurde. In diesem Zusammenhang ist auch die Hinrichtung des Philosophen Anicius Manlius Severinus Boëthius zu sehen. Demgegenüber wurden im Ostreich die Arianer ab dem Jahr 523 verfolgt, was man am ostgotischen Hof mit Missmut hinnehmen musste, hingen doch auch die Ostgoten dem arianischen Bekenntnis an.

Kaiser Justin starb am 1. August 527. Nachfolger wurde sein Neffe Justinian I., in dessen Regierungszeit sich der Übergang der antiken Staatlichkeit Ostroms zum Byzantinischen Reich mittelalterlicher Prägung beschleunigte. Die Regierungszeit Justinians überstrahlt in der Rezeption diejenige Justins. Dies ist auch der Geschichtsschreibung Prokops zuzuschreiben, der sich eher abwertend über Justin äußerte. Diese Beurteilung ist jedoch eher zweifelhaft, auch wenn Justinian zweifellos zumindest in der Spätzeit großen Einfluss auf Justin ausgeübt hat. Dennoch war Justins Herrschaft das Fundament für Justinians Aufstieg zur Macht.

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Literatur

A.A. Vasiliev: Justin the first. An introduction to the epoch of Justinian the Great, Cambridge/Mass. 1950.

Weblinks

Kaiser von Byzanz 518-527

Vorgänger Anastasios I.

Nachfolger Justinian I.