Herakleides Pontikos

Herakleides Pontikos (* um 390 v. Chr.; † nach 322 v. Chr.) war ein griechischer Philosoph.

Leben

Herakleides war ein Schüler Platons, der ihn offenbar schätzte, denn für die Zeit der dritten Sizilienreise Platons wurde Herakleides die Leitung der Akademie anvertraut. Nach dem Tod des Speusippos, des Nachfolgers Platons, wollte Herakleides 339 Schulhaupt (Scholarch) der Akademie werden, unterlag aber in einer Kampfabstimmung dem Xenokrates und verließ daraufhin die Akademie. Er zog sich dann in seine Heimatstadt Herakleia Pontike am Schwarzen Meer zurück, wo seine Familie begütert war. Dort hatte er wohl einige Schüler. In Athen war er für seine Angeberei bekannt und wurde deswegen als „Pompikos“ verspottet.

Schriften und Lehre

Von den zahlreichen Schriften des Herakleides haben sich nur Fragmente erhalten. Er hat seine Lehren nach Platons Vorbild am liebsten in Dialogform präsentiert. Von den Pythagoreern war er beeindruckt und beeinflusst, aber den pythagoreischen Vegetarismus lehnte er ab. Offenbar neigte er zum Phantasieren und verstieg sich zu seltsamen Spekulationen; Cicero kritisiert ihn, weil er Märchen für Kinder verbreitet habe. Die Seele faßte er als körperhaft und lichtartig auf. Manche antike Autoren haben Herakleides nicht der platonischen Akademie, sondern der Schule des Aristoteles zugerechnet. Darin irrten sie zwar, doch ist daraus zu ersehen, dass zumindest einige seiner Ansichten denen des Aristoteles ähnlich waren.

Astronomie

Sein astronomisches Modell ist wegen der knappen und unklaren Quellenzeugnisse nicht mit Sicherheit zu bestimmen. Er nahm jedenfalls tägliche Achsenrotation der Erde an und gilt als der erste Philosoph, der auf diese Idee kam. Ob er sich aber Merkur und Venus als Trabanten der Sonne vorstellte und insofern das System von Tycho Brahe teilweise vorwegnahm, wie man früher annahm, ist zweifelhaft. Dem Wortlaut der Quelle (Calcidius) zufolge ging Herakleides von konzentrischer Bewegung der Venus und der Sonne aus.

Literatur

  • Fritz Wehrli: Herakleides Pontikos, 2. Auflage, Basel 1969 (Ausgabe der Fragmente und Quellen mit Kommentar)
  • H.B. Gottschalk: Heraclides of Pontus, Oxford 1980
  • Hans Krämer: Herakleides Pontikos, in: Grundriss der Geschichte der Philosophie, Bd. 3 (hrsg. von Hellmut Flashar), 2. Auflage, Basel 2004, S. 67-80. ISBN 3-7965-1998-9.

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